Präsentation auf eine Blick vom neuen Theater des Maillon im Wacken!

Leitsätze

Die Grundprinzipien künstlerischer Identität vom Maillon bekräftigen, seine Bekanntheit ausbauen, einen experimentellen Ansatz von Recherche und künstlerischer Kreation verankern, aber auch die Absicht, eine unmittelbare und gastfreundliche Beziehung zwischen Publikum und Künstlern herstellen: Das sind die Herausforderungen dieses neuen Projektes. Herzstück vom Architekturprinzip des neuen Gebäudes ist die Begegnung und Vermischung all ihrer Benutzer (Publikum, Künstler und Theatermitarbeiter). Es geht auch darum, ein Theater zu bauen, das komplementär zu den anderen Spielstätten Straßburgs sein soll: TAPS, TNS, POLE-SUD, CDCN, TJP CDN STRASBOURG-GRAND EST, Thêatre de Hautepierre; ja sogar die Oper, Palais de la Musique et des Congrès, La Laiterie...

Räume

Eine große Empfangshalle, ein Raum, der das Zusammensein und die Gastfreundschaft fördert, vor allem mit dem Bereich Bar und Gastronomie, den sich das Publikum aneignen und frei gestalten kann, soll ein Ort sein, an dem sich Menschen informell treffen und wo besondere Kunstformate und Performances stattfinden können.

Ein Künstlerfoyer: ein Raum zum Entspannen, an dem sich die eingeladenen Künstler und das Theaterpersonal in ungezwungener Atmospäre begegnen können, unter Berücksichtigung der Konzentration, die für die Künstler beim Prozess des Schaffens unabdingbar ist.

Ein Saal für das „Warming-up“, der gleichzeitig als Konferenzraum, Begegnungsstätte und Werkstattraum benutzt werden kann sowie für die Organisation pädagogischer Aktivitäten.

Zwei Bühnen: ein großer Saal und ein kleiner Saal, die sich für Kreationen und Residenzen in den verschiedensten technischen Konfigurationen anbieten.

Großer Saal: 700 Plätze mit einer flexiblen Tribüne, die zahlreiche Bestuhlungen zulässt (ebenerdig, frontal, bifrontal oder trifrontal…); der dank seines Baukastenprinzips, seiner Ausmaße und seiner technischen Bühnenausrüstung die Präsentation innovativer Arbeiten ermöglicht. Die verschiedensten Bühnenkünste können dort gezeigt werden: Theater, Tanz, Musik, Zirkus… Seine Fläche ist fast so groß wie die jetzige Halle 2: 45 m tief, 24 m breit, aber mit einer Minimalhöhe von 14 m bis zum Schnürboden (zur Zeit sind es 10,7 m).

Ein kleiner Saal mit 250 Plätzen: die kleinere Größe vermittelt eine unmittelbarere Teilnahme am Geschehen auf der Bühne (30 m tief, 15 m breit und 9 m hoch). Die technische Ausrüstung entspricht der im Großen Saal. Die beiden Säle können unabhängig voneinander bespielt werden, sie sind miteinander verbunden und gehen in die öffentlichen Räume über. Große Präzision wird demnach notwendig sein, um die verschiedenen Räume akustisch voneinander zu isolieren. Die gesamte technische Ausrüstung (Hubsystem, Ton, Licht, Video) steht den verschiedenen Arbeits- und Spielbereichen zur Verfügung.

Das neue Gebäude wird sich nicht damit begnügen, eine schöne Theaterschatulle zu sein, sondern wird sich als richtige „Theaterfabrik“ behaupten. Es wird also keine Guckkastenbühne geben, sondern eine „Black Box“, im Sinne einer Experimentierfabrik, die größte Freiheiten und Möglichkeiten zulässt. Eine Box, in der die Künstler aufgefordert werden, etwas Neues zu erfinden. Es wird eine Leere sein, die Lust macht, etwas darin zu erschaffen, ein Raum, der den Wunsch weckt, ihn an sich zu reißen; aber auch ein lebendiger Ort in ständiger Veränderung. Die Bühnen werden flexibel und leicht konfigurierbar sein. Sie werden erfahrenen Künstlern wie Newcomern die Erfindung neuer Formen erleichtern. Es ist wichtig, dass die Räume durchlässig sind, sowohl für die Künstler als auch für das Publikum.

Zeitplan

September 2013: Auswertung von 155 Architektenbewerbungen durch eine Jury bestehend aus etwa 20 Personen (Abgeordnete, Techniker, Architekten, technische Berater und dem Leiter des Maillon)
Januar 2014: Abschlussjurysitzung für die Bestimmung des Gewinners unter den fünf ausgewählten Bewerbern: Architekturbüro LAN Architecture.
Sommer 2017: Baubeginn
2019: Fertigstellung/Schlüsselübergabe

Kosten des Bauvorhabens:

25 Millionen €

„Dies ist kein Theater“, von LAN Architecture, Oktober 2014

„Mit diesen Worten könnte man unser Vorhaben zusammenfassen. Es geht nämlich darum, einen Übergang zwischen Theater und Theaterfabrik zu schaffen, der etwas mehr ist als nur ein Ort: eine richtige Kunstmaschine.
Zu diesem Zweck sind wir zwei verschiedene Wege gegangen: Zum einen haben wir die Räume minimal angedeutet, indem wir ein Rasterbild und eine Matrix aufgestellt haben, damit der Ort ohne weiteres anwendbar, sehr flexibel und stark veränderbar sei (die industrielle Typologie vermählt sich mit der Theaterstätte); zum anderen haben wir jeden Raum mit einem mehrfachen Potenzial ausgestattet (Volumen, Licht und Material), um den Weg für unbekannte und aufregende Szenarien frei zu machen. Das klassische Theatergebäude bestehend aus der Dreiheit Foyer, Saal und Funktionsräume, ersetzen wir durch die Vorstellung eines Theaters, das wie eine zu bauende Stadt zuerst die Definition der Straßen vorgibt. Von diesem Ansatz ausgehend, spielen die Zirkulation eine wichtige Rolle; sie definiert die Räume, wie Straßen die Viertel und geben ihnen die Möglichkeit, sich unabhängig voneinander zu verändern.

Der Vergleich zur Stadt lässt sich in dem Sinne rechtfertigen, indem er nach dem Muster eines urbanen Raumes die Möglichkeit einer sicheren Evolution beinhaltet, ohne die Struktur aufzugeben, die als Garant für die Identität der Stadt steht. Das Projekt eines Theaters wird somit zum Projekt einer Stadt, und die Architektur macht schnell der Planung Platz. Die Vorstellung, Rauminseln zu entwickeln und deren Evolution nicht einzuschränken, steht im Mittelpunkt des Projektes. Eine Rauminsel, im Englischen block, ist ein Ensemble von Parzellen, bebaut oder auch nicht, das die elementare Einheit eines urbanen Raumes bildet, und von anderen durch Straßen getrennt ist.

Die Urbanisierung in regelmäßigen Rauminseln (die Schachbrettplanung zum Beispiel) gab es schon vor den Römern. Die Stadtentwicklungspläne, die sich an ein waagerechtes Raster anlehnen, bestehend aus geometrisch regelmäßigen oder unregelmäßigen Karrees in ihrer individuellen Form, waren zu allen Zeiten unumgängliche Referenzen des Städtebaus.
Das wachstumsstärkste Werkzeug ist in diesem Zusammenhang das Raster, das „orthogonale Gitterraster“. Seine gleichmäßige Struktur ermöglicht es ihm – auf strenge und flexible Weise zugleich – sich allen Entwicklungen anzupassen, die die Stadt charakterisieren – sei sie town oder city. In der Tat bietet das orthogonale Gitter keine präzise Form sondern einen primären Rahmen, ein Tragwerk, das sich dazu eignet, alle vorgesehenen Einrichtungen aufzunehmen; es initiiert einen urbanen – wie ruralen – virtuellen Raum, den man anschließend auf die beste Art und Weise „aktualisiert“ in Funktion der Bedürfnisse und Erwartungen der Einwohner.
„Die amerikanische Stadt zum Beispiel schafft es, den sekundären Elementen, aus denen sie besteht, einen Höchstmaß an Artikulation zu verleihen, und gleichzeitig die Gesetze, die das Ganze regeln, fest unter Kontrolle zu halten. [...]“

Bauleitender Architekt: LAN
HLK Ingenieurbüro: TERRELL
Szenografie: Changement à vue
Akustiker: JP Lamoureux
Umwelttechnisches Planungsbüro: Franck Bouté Consultant
Bauökonom: Bureau Michel Forgue

LAN (Local Architecture Network)